Schriftgröße
Suchen & Finden  
 
 
erweiterte Suche  

Die Insignien der Urburschenschaft

In schwierigen und sich über Jahre hinwegziehenden Verhandlungen gelang es den Verhandlungsführern, Gerichte und Behörden davon zu überzeugen, dass die im Februar 1991 nach Jena zurückgekehrte Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Rechtsnachfolgerin der 1936 zwangsaufgelösten gleichnamigen Burschenschaft ist. Das bedeutet, dass die Burgkeller-Burschenschaft nach wie vor Eigentümerin von wichtigen ur- und frühburschenschaftlichen Insignien und Archivalien ist, die sich früher ununterbrochen auf dem Burgkeller befanden und nach 1945 in den Besitz der Stadt Jena gelangt waren. Mit Vertrag vom 3. Mai 1996 hat die Stadt Jena den Eigentumsanspruch der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena an diesen Objekten anerkannt. Damit wurden uns folgende Insignien und Archivalien zurückerstattet, die für die Geschichte der Burgkellerburschenschaft und der Deutschen Burschenschaft von Bedeutung sind. - Die Verfassungsurkunde von 1815: Diese Urkunde wurde bei der Gründung der Jenaischen Burschenschaft am 12. Juni 1815 auf der "Grünen Tanne" vorgelesen und beschlossen. In ihr sind u. a. der erste Wahlspruch "Dem Biedern Ehre und Achtung" (seit 1818: "Ehre, Freiheit, Vaterland") und die von den Uniformfarben der Lützower, dem zahlreiche Gründungsmitglieder angehört hatten, abgeleiten Farben Rot und Schwarz festgelegt. Außer dem Datum ist die Zahl der 143 Gründer angegeben: 9 Vorsteher, 21 Ausschussmitglieder und 113 einfache Mitglieder. Unterschrieben ist die Urkunde u. a. von Carl Horn, letzter Senior der Landsmannschaft Vandalia und erster Sprecher der Burschenschaft. Ein Reliefporträt von ihm befindet sich auf dem Burschenschafterdenkmal in Jena. - Das Burschenschwert von 1817: Erstmals wurde es beim Wartburgfest am 18. Oktober 1817 von Karl Herrmann Scheidler dem Burschenzug zur Wartburg vorangetragen. Seit dieser Zeit wurde es bei allen Burschenschaftsfesten ausschließlich von Burgkelleranern getragen. Als integrierende Symbole der Burgkellerburschenschaft wurden am Stiftungsfest 1996 den versammelten Bundesbrüdern feierlich das Burschenschwert präsentiert und alle Anwesenden auf die Verfassungsurkunde von 1815 verpflichtet. Das Burschenschwert wurde - wie bei der Auflösung 1936 - von dessen damaligen Träger, Bbr. Zinser (1933), begleitet von den zwei anwesenden Teilnehmern an der Auflösungsfeier, Bbr. Krietenstein (1932) und Bbr. Thullen (1932), in den Festsaal der "Grünen Tanne" und am Abend zum Festkommers im "Schwarzen Bären" hereingetragen. - Das Mitgliederverzeichnis der Jenaischen Urburschenschaft, das sogenannte "Stammbuch": Darin sind die Namen aller ihrer Mitglieder von 1815 bis zu ihrem ersten Verbot 1819 enthalten. Eingetragen ist u. a. der Name Ernst von Schillers, jüngerer Sohn des Dichters und vormals Mitglied der Landsmannschaft Saxonia. - Das in Pastellfarben gemalte Jugendbild von Karl Herrmann Scheidler, Mitgründer der Jenaischen Burschenschaft. Von einem unbekannten Maler angefertigt, hing es früher auf dem Burgkeller. Das Stadtmuseum Jena besitzt eine Kopie dieses Porträts. Auch von Scheidler befindet sich auf dem Burschenschaftsdenkmal ein Reliefporträt. - Das "Album der Gaeste der Burschenschaft auf dem Burgkeller in den Tagen des dreihundertjährigen Jubiläums der Universität Jena". Von den 279 persönlichen Eintragungen (und 15 Nachträgen) von Burgkelleranern sowie sonstigen Burschenschaftern und Gästen sind diejenigen des Mitgründers von 1815 Pastor Carl Horn aus Mecklenburg-Strelitz sowie von Fritz Reuter am bekanntesten. Unter den genannten Insignien nimmt die rot-schwarz-rote Wartburgfahne von 1817 eine Sonderstellung ein. "Von den Frauen und Jungfrauen zu Jena am 31. März 1816" gestiftet, wurde sie zum Wartburgfest mitgeführt. Nach dem Verbot der Burschenschaft 1819 mußte sie verborgen werden, zunächst in einem geheimen Versteck in Jena, später in einem Rauchfang in Dornburg. In den 1830er Jahren von Professor Reinhold Schmid in Bern verwahrt, gelangte sie erst anlässlich der 350-Jahrfeier der Universität wieder nach Jena. Da man sich danach über den Besitz nicht einigen konnte, ist die Wartburgfahne seitdem - im Gegensatz zu den o. g. Archivalien und Insignien - gemeinsames Eigentum der drei jenaischen Burschenschaften Arminia, Germania und Teutonia. Unmittelbar nach der erzwungenen Auflösung der Deutschen Burschenschaft am 18. Oktober 1935 hat Bbr. Costabell (1898) die Fahne vor dem Zugriff des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds gerettet. Das Original befindet sich heute als Leihgabe der drei jenaischen Burschenschaften im Stadtmuseum Jena. Eine (größere) Kopie befindet sich auf der Wartburg. Außerdem besitzt die Burgkeller-Burschenschaft eine Petschaft mit dem Siegel der Urburschenschaft. Da dieser u. a. die Abkürzungen des 1816 übernommenen Wahlspruchs (E)hre, (F)reiheit, (V)aterland enthält, kann er nicht früher verwendet worden sein. Offenbar waren in der frühen Burschenschaft mehrere Siegel im Gebrauch. Die Verfassungsurkunde von 1815 ist nicht gesiegelt. Seit jeher im Besitz der Burgkellerburschenschaft befindet sich auch die goldumsäumte rot-schwarze Fahne von 1815/16. Im Jahr 1822 beim Auszug nach Kahla mitgeführt (deshalb auch "Kahlafahne" genannt), ist diese schmucklose Fahne - belegt durch zeitgenössische kolorierte Stammbuchblätter - höchstwahrscheinlich älter als die berühmte "Wartburgfahne" von 1816. Sie dürfte die älteste erhaltene Fahne der Burschenschaft und damit auch die älteste erhaltene Fahnen mit den deutschen Nationalfarben sein. Bei Gründung der Burschenschaft 1815 wurden zwar die Farben festgelegt, aber wahrscheinlich noch keine Fahne mitgeführt.